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Dienstag, 17. Dezember 2013

Der feine Unterschied

Oder: Von Sprachwissenschaftlern und "Sprachwissenschaftlern"

Zurzeit mache ich semesterbegleitend ein Forschungspraktikum. Letzte Woche saß ich am Schreibtisch, als meine Praktikumsbetreuerin reinkam und mich fragte, ob ich denn schon Mittagspause gemacht hätte. Als ich ihr dann sagte, dass ich gerade in der Mittagspause bin, hat sie mich - zu Recht - darauf hingewiesen, dass man die Mittagspause eigentlich nicht am Schreibtisch verbringen sollte.

Meine Antwort: "Aber ich bin gerade 'ne Bewerbung am schreiben."

Auf diese Aussage gibt es zwei mögliche Reaktionen, die eines Sprachwissenschaftlers und die eines "Sprachwissenschaftlers". Meine Praktikumsbetreuerin hat zum Glück die des Sprachwissenschaftlers gewählt: "Schöne rheinische Verlaufsform mit inkorporiertem Objekt!"

Der gemeine "Sprachwissenschaftler", Sprachnörgler oder Korinthenkacker hingegen wäre bei dieser völlig unmöglichen und grundfalschen Ausdrucksweise innerlich an die Decke gegangen und hätte mich darauf hingewiesen, dass man das so doch nicht sagen könnte.

Auf die sprachliche Variation!

Donnerstag, 28. November 2013

[ʃtʊts] - Studentische Tagung Sprachwissenschaft

Oder: Wir fahren mit der Benrather Linie

Ein beliebtes Partyspiel besteht darin, dass jeder Spieler einen Zettel mit dem Namen einer berühmten Persönlichkeit auf die Stirn geklebt bekommt und diese dann durch Ja/Nein-Fragen erraten muss. Dass man dieses Spiel nicht nur mit Stars, sondern auch mit Sprachen spielen kann, weiß ich seit zwei Wochen.

Vom 13. bis zum 17. November habe ich an der Studentischen Tagung Sprachwissenschaft, kurz [ʃtʊts], in Düsseldorf. Auf dieser Tagung treffen sich linguistikbegeisterte Studenten, um Vorträge zu halten, sich auszutauschen und die Art von Spaß zu haben, dem Außenstehende mit einer Mischung aus Unverständnis und Angst begegnen. Das Ratespiel haben wir außer Sichtweite der Öffentlichkeit im Hostelzimmer veranstaltet, aber unser Glossotechnia - ein Spiel, bei dem man in der Gruppe eine neue Sprache entwirft - haben wir in einer Kneipe gespielt und dafür ordentlich schräge Blicke vom Kellner bekommen.

Auf der Tagung habe ich wirklich einige erfrischend schräge Vögel kennen gelernt. Während mein Linguistikstudiengang den Schwerpunkt aufs Deutsche legt, studieren viele der Tagungsteilnehmer Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft. Diese linguistischen Hansdampfs in allen Gassen beherrschen oft recht exotische Sprachen, von denen ich zum Teil bis zur Tagung noch nicht einmal gehört hatte. Unter den Nerds war ich noch die Normale - die, die keine Conlang spricht und auch nicht gerade dabei ist, eine zu entwickeln.

Einen Vortrag habe ich mich dennoch zu halten getraut. Vor einem erstaunlich großen und interessierten Publikum habe ich die Ergebnisse meiner Bachelorarbeit zu multiethnischen Jugendsprachen vorgestellt. Es hat mir noch nie Probleme bereitet, vor vielen Menschen zu sprechen - ganz im Gegenteil, ich muss zugeben, dass ich mich ganz gerne reden höre und unter anderem daher eine Karriere in Forschung und Lehre in Erwägung ziehe. Zu Beginn des Vortrags war ich etwas aufgeregt, was sich dann aber schnell legte, sodass die zwanzig Minuten Redezeit wie im Flug vergingen und ich hinterher zufrieden mit mir und meiner Präsentation war.

Zudem habe ich auch vielen anderen spannenden Vorträgen gelauscht. Toll, was für eine Vielfalt es dort gab! Von Schriftsprachtransfert bilingualer Schüler über Fremdsprachenakzentsyndrom bis zum unscheinbaren Wörtchen hm und seinen Bedeutungen. Zwar konnte ich nicht allen Vorträgen inhaltlich komplett folgen, aber ich habe doch bei allen Leuten gemerkt, dass sie hier über Themen sprechen, die ihnen am Herzen liegen. Die Atmosphäre ist eine ganz andere als bei einem Uni-Referat, das man schnell hinter sich bringen möchte - wesentlich konzentrierter, zugleich aber auch entspannter.

Besonderes Highlight für insbesondere die germanistischen Linguisten unter uns war die unmittelbare Nähe zur Benrather Linie. Hierbei handelt es sich um eine Sprachgrenze, die unter anderem durch den Düsseldorfer Stadtteil Benrath verläuft und nach ihm benannt ist. Als wir morgens in die Straßenbahn vom Hostel zur Uni fuhren und feststellten, dass genau diese Bahnlinie nach Benrath fährt, waren wir natürlich ganz aus dem Häuschen - Hihi, wir sind in der Benrather Linie! 
Von den anderen Passagieren haben wir nur ungläubige Blicke geerntet.

Auf die Benrather Linie!

Sonntag, 13. Oktober 2013

Nachtwanderung

Oder: "Aber ich studier nicht Medizin."

Vorgestern postete eine Studienanfängerin ganz panisch in der Facebook-Erstigruppe, dass sie erst heute in der Uni-Stadt ankomme und dringend einen Schlafplatz benötige. Da ich weiterhin auf Mitbewohnersuche bin* und somit ein freies Bett abzugeben habe, habe ich ihr kurzerhand geschrieben, dass sie erstmal bei mir unterkommen kann. Sie ist dann gestern angekommen, wurde von ihrer Mutter hergefahren, beide waren mir natürlich dankbar. Die Dankbarkeit hat sich in einem Marmeladenglas voller Pralinen geäußert - wäre doch nicht nötig gewesen!

Sie studiert hier Medizin und hat erst am Dienstag im Losverfahren ihren Studienplatz bekommen. Ich bin wirklich froh, dass ich so früh von meinem Studienplatz wusste, denn es ist wirklich kein Vergnügen, jetzt noch in irgendeiner Stadt ein Zimmer oder eine Wohnung finden zu wollen. Natürlich hatte sie schon einen Plan B, war bereits in ihrer Heimatstadt für Biologie eingeschrieben und bekam die Zusage für Medizin, während sie beim Kennenlernfrühstück der Biologen saß.

Diese Woche war die sogenannte O-Woche, das ist diese unglaublich lustige Veranstaltung, bei der alle Erstis Stadtrallyes, Kneipentouren und Nachtwanderungen mit ihrer Fachschaft unternehmen. Ich war nur bei der studiengangsspezifischen Infoveranstaltung für meinen Studiengang und hab den Rest der O-Woche den Erst-Erstis überlassen. 

Nun fragte mich die temporäre Mitbewohnerin, ob ich nicht Lust hätte, bei der Nachtwanderung der Mediziner mitzugehen. Da ich für den Abend nichts geplant hatte, habe ich einfach zugesagt. Am vereinbarten Startpunkt trafen wir dann auf etwa 100 Medizin-Erstis, von denen sich einige schon aus anderen Veranstaltungen kannten; die Mitbewohnerin und ich hingegen waren Frischlinge. Ich habe dann ein Mädchen entdeckt, das sich das freie Zimmer in meiner WG angesehen hatte, und wir haben uns ihrer Clique für den Rest des Abends angeschlossen. 

Ich habe mich immer mit meinem Vornamen und dem Zusatz "... aber ich studier gar nicht Medizin" vorgestellt, was natürlich für etwas Verwirrung gesorgt hat. Auch als Eindringling wurde ich von den Medizinern nett aufgenommen, ich bin ja schließlich ein umgänglicher Mensch und beiße nicht. Außerdem bin ich eine Bereicherung für jedes Flunkyball-Team - getroffen habe ich zwar nicht, als ich mit mit dem Werfen am Zug war, aber immerhin ging mein Wurf nicht ganz so weit daneben wie bei einigen anderen Spielern.

Wir haben natürlich nicht nur Flunkyball gespielt, sondern sind auch tatsächlich ein wenig gewandert. Ziemlich kalt war es gestern, sodass ich froh war, mir vorgestern vorsorglich Handschuhe gekauft zu haben. So eine Nachtwanderung ist auch eine schöne Art, seine neue Stadt und ihre Umgebung kennen zu lernen. Ich bin sonst nicht so fürs Wandern zu haben, aber in einer großen Gruppe machts schon Spaß. Die meisten Teilnehmer waren am Zielpunkt ziemlich durchgefroren, sodass wir uns umso mehr über den Glühweinausschank gefreut haben. Zurück ging es dann faulerweise mit dem Bus. Einer der Vorteile von Studentenstädten ist ja, dass das Busnetz meistens gut ausgebaut ist, sodass auch vom Stadtrand nachts um eins noch Busse in die Innenstadt fahren - in meiner Heimatstadt wäre ich da aufgeschmissen.

Morgen hat das süße O-Wochen-Leben ein Ende - die Lehrveranstaltungen gehen los, worauf ich schon ganz gespannt bin.

Auf die O-Woche!

* Ich habe mich schon entschieden, aber die Wunschkandidatin meldet sich erst morgen zurück. Wenn sie absagt, habe ich genug andere Kandidaten in der Hinterhand.

Montag, 9. September 2013

Schon immer 'ne Streberin gewesen

Oder: Das College Triangle.

Streber, der: jemand, der sich ehrgeizig und in egoistischer Weise um sein Fortkommen in Schule oder Beruf bemüht (Duden)
In der Schule galt ich von der ersten bis zur 13. Klasse gemeinhin als Streberin. Ja, ich hatte fast immer gute Noten, und ja, ich musste nicht viel dafür tun, weil mir viele Dinge zum Glück einfach zugefallen sind. Allerdings habe ich mich selbst nie so eingeschätzt, dass ich mich "in egoistischer Weise" darum bemüht habe, möglichst gute Ergebnisse zu erzielen. Ich habe so gearbeitet, dass ich mit meinen Leistungen zufrieden kann, war dabei aber nie absichtlich unfair zu meinen Mitschülerin. Trotzdem hat eine, die in der fünften Klasse zugibt, abends freiwillig im Schulbuch ein paar Seiten vorzuarbeiten, schnell den Ruf des Strebers weg.

Auch an der Uni hatte ich vor, in meinen Augen gute Leistungen zu erzielen. Gleichzeitg habe ich aber versucht, es zu vermeiden, allzu schnell wieder in der Schubladen der außergewöhnlich strebsamen Nervensägen zu landen. Im ersten Semester habe ich viel gefeiert, noch mehr getrunken und die Uni nebenherlaufen lassen. Ich war glücklich in dieser Zeit, habe Freunde gefunden und Spaß gehabt. Doch nach den ersten Klausuren war ich von meinen Noten ein wenig enttäuscht. Im zweiten Semester habe ich immer noch viel gefeiert, aber gleichzeitig auch gelernt und meine Veranstaltungen ernsthaft vor- und nachbereitet, und tatsächlich waren die Noten besser. Allerdings habe ich da das College Triangle zu spüren bekommen, denn geschlafen habe ich eher wenig in dem Semester.

Im dritten Studienjahr hatten wir viele Wahlmöglichkeiten für unsere Module, sodass wir Schwerpunkte auf unsere Interessen setzen konnten. Ich habe so viele linguistische Lehrveranstaltungen wie möglich belegt, um Einblicke in möglichst viele Teilgebiete zu erhalten. Von der klassichen Syntax und Lexikologie über die kontrastive Übersetzung bis hin zur innig geliebten Soziolinguistik war alles dabei. Und ich muss zugeben: Ich habe in den meisten Seminaren fürchterlich gestrebert. Wieder ohne den Aspekt des Egoismus, aber auch wieder so wie in der fünften Klasse. Als mir dann zum Ende des Wintersemesters eine SHK-Stelle in der romanischen Sprachwissenschaft angeboten wurde, war mir endgültig klar, was ich geworden war - ein Linguistik-Nerd.

Aber: Weder mein Schlaf noch mein soziales Leben sind dabei auf der Strecke geblieben. Ich habe einen Ausweg gefunden aus dem college triangle. Rumstrebern im Seminar gehört zu meinem Studienalltag genauso wie Feiern, Socialisen und Wein trinken. Ich bin gespannt auf das Masterstudium, gespannt darauf, ob ich auch hier wieder zu den Strebern gehören werde, zu denen, die die Materie aufsaugen wie ein Schwamm. Ich habe das Gefühl, es geht gar nicht anders. Ich habe eine Balance in meinem Alltag gefunden, kann alles unter einen (Doktor)hut bringen und freue mich auf mindestens vier weitere Semester zwischen Schlaf, Party und guten Noten.

Auf das Gleichgewicht!

Donnerstag, 5. September 2013

Komm mal zur Sache!

Oder: Ich dachte, hier geht's um Linguistik.

Nein, das hier ist kein reiner Linguistik-Blog. Das hier ist ein Blog, der aus dem Alltag einer Linguistik-Studentin erzählt. Jetzt gerade kommt die Studentin in einer neuen Stadt an, muss ihren Alltag organisieren und noch dies und jenes erledigen, bevor das neue Semester losgeht. Deswegen schreibe ich momentan hauptsächlich über allgemeine Dinge, aber bald wird es auch um linguistische Themen gehen - natürlich für den Nicht-Linguisten aufbereitet.


Warum zur Hölle studierst du Linguistik?

Das ist eine gute Frage. Wenn mir vor drei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mich für einen Linguistik-Master entscheide, hätte ich der Person eindeutig den Vogel gezeigt. Im Bachelor habe ich Germanistik und Romanistik studiert, wobei mich ursprünglich der literaturwissenschaftliche Teil des Studiums angesprochen hat. Gelesen habe ich schon immer viel und gerne, ich habe mich auch während der Schulzeit ein bisschen mit Literaturgeschichte und -theorie beschäftigt.

Von den literaturwissenschaftlichen Veranstaltungen im ersten Semester war ich dann allerdings ein wenig enttäuscht. Ich weiß nicht, was ich mir damals von den Vorlesungen und Seminaren erhofft hatte, aber meine - wahrscheinlich zu hohen - Erwartungen wurden nicht erfüllt. Im zweiten Semester habe ich dann die Einführungskurse in die Sprachwissenschaft belegt und war innerhalb kürzester Zeit Feuer und Flamme. 

Mit Sprachwissenschaft kommt man ja in der Schule eher weniger in Kontakt. Wir haben uns im Deutsch-LK ein bisschen mit Spracherwerbstheorie beschäftigt, kurz einen Blick auf die Geschichte des Deutschen geworfen und auch den Zusammenhang zwischen Sprache und Denken thematisiert. Andere Bereiche der Sprachwissenschaft habe ich also erst in der Uni kennen gelernt. Fasziniert haben mich von Beginn an die Varietätenlinguistik und die kognitiven und neurologischen Aspekte von Sprachproduktion und -rezeption. Auch jetzt interessieren mich diese Teilgebiete am meisten, sodass ich hoffe, mich im Master darauf konzentrieren zu können. Schön ist, dass diese Disziplinen nicht rein linguistisch sind: Varietätenlinguistische Fragestellungen setzen ein gewisses Interesse an Soziologie vorau, während die kognitive Linguistik eng verzahnt ist mit Neurowissenschaften und Psychologie.


Und dann?

An den Master möchte ich gerne eine Promotion anschließen, um danach in Forschung und Lehre arbeiten zu können. Ich kann mir auch vorstellen, für eine Zeit ins Ausland zu gehen und dort eine Post-Doc-Stelle anzunehmen. Aber das steht noch in den Sternen.

Dienstag, 3. September 2013

One card to rule them all

Oder: Schätzelein, dat machste nicht nochmal!

Im ersten Bachelor-Semester hatte ich ein Seminar, für das wir uns die zu lesenden Texte in der Institutsbibliothek kopieren sollten. Ordner suchen, freien Kopierer suchen, Karte rein und es kann losgehen. Denkste! Statt der Anzahl der verbleibenden Kopien kam eine Fehlermeldung. Eject-Knopf gedrückt, nichts passiert.In solchen Situation fiel und fällt es mir schwer, die Ruhe zu bewahren. Ziemlich aufgeregt bin ich also zur Bibliotheksaufsicht gegangen und habe ihr mein Problem gebeichtet. Sie kam mit zum Kopierer, schaltete ihn aus und wieder ein, doch die Karte lies sich noch immer nicht entfernen. "Warte kurze", bat sie mich, verschwand, und tauchte mit einer Pinzette in der Hand wieder auf.

Und was zog sie aus dem Kartenleser? Die Mensakarte. Natürlich wäre ich vor Scham am liebsten im Boden versunken. Die Bibliothekarin warf mir einen halb strengen, halb amüsierten Blick zu und sagte nur "Schätzelein, dat machste aber nich nochmal!". Seitdem ist mir das auch tatsächlich nicht mehr passiert.

Wenn ich diese Geschichte Freunden von anderen Unis erzähle, sind die immer sehr erstaunt. Denn die meisten Unis haben inzwischen eine Kombikarte, die als Kopierkarte, Bezahlkarte für die Einrichtungen des Stundentenwerks (Mensa, Waschmaschinen im Wohnheim) und Bibliotheksausweis fungiert. Die Einführung einer solchen Karte scheiterte an der alten Uni bisher hauptsächlich am Widerstand des AStA. Inzwischen hat der AStA seine Meinung geändert, sodass es eine entsprechende Karte bald auch dort geben wird.

Letzte Woche habe ich mich informiert, wie das hier an der Uni ist, und siehe da, auch hier wird eine Kombikarte genutzt. Ich habe mir dann schnell eine besorgt und bin jetzt ganz froh, dass ich nicht mehr als Depp dastehe, der eine gelb-rote Mensakarte nicht von einer blau-weißen Kopierkarte unterscheiden kann. Auch Uni- und Institutsbibliotheken sind für mich inzwischen kein Neuland mehr, sodass ich mich relativ schnell mit der Zentral- und der Germanistikbibliothek vertraut gemacht habe. Dafür warten sicher neue Peinlichkeiten und Ersti-Schnitzer auf mich.

Auf das Studentenwerk!

Freitag, 30. August 2013

Die studentische Nabelschnur

Oder: Endlich unabhängig!

Draußen ist bestes Spazier- und Stadterkundungswetter, und was macht die Studentin? Richtig, am Schreibtisch sitzen, an ihrer noch immer nicht fertigen Bachelorarbeit werkeln und sich ab und an im Internet ablenken. Nachdem Leech Block mir bis heute abend Facebook-Verbot erteilt hat, musste ich mir einen anderen Zeitvertreib suchen, der (noch) nicht auf meiner Liste zu blockender Seiten steht. Dabei bin ich über diesen schönen und sehr wahren Screenshot gestoßen.
via lamebook
Der Start ins Studentenleben bedeutet für viele Leute auch den Start in ein Leben unabhängig von Mama und Papa. Oder? Klar, ich kann abends weggehen, ohne dass meine Mutter die üblichen Fragen stellt - Wohin gehst du? Wer geht mit? Wann kommst du wieder? Ich kann Tiefkühlpizzen und Nudeln mit Ketchup essen, bis mir schlecht wird. Ich kann wochenlang keine Wäsche waschen und am Tag der mündlichen Prüfung ohne sauberes T-Shirt dastehen.

Und wer bezahlt? Laut Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks geben 87% der Studenten an, dass sie von ihren Eltern mit durchschnittlich knapp 500 € im Monat finanziell untersützt werden. 500 € sind eine ganz schöne Menge - für mein jetziges Zimmer zahle ich 250 € Miete, es bleiben also 250 € für die Lebenshaltungskosten übrig. Das sind gut 8 € am Tag. Damit kann man nicht im Luxus leben, aber doch über die Runden kommen und selbst ohne Job dem Studentenleben fröhnen.

Aber sind wir wirklich unabhängig, wenn wir Monat für Monat darauf warten, dass eine Überweisung mit dem Verwendungszweck "Studentenfutter" auf unserem Konto auftaucht? Was ist, wenn meine Mutter plötzlich ihren Job verliert oder die Oma ins Altenheim kommt und die Eltern auch dafür die Kosten übernehmen müssen? Die meisten Studenten halten es für selbstverständlich, dass die Eltern Monat für Monat zahlen. Aber damit sind wir, obwohl wir selbst abends um 22 zum REWE laufen und der Kühlschrank nicht von Mama aufgefüllt wird, abhängig von unseren Eltern. Sie könnten uns das Geld streichen, und wo stünden wir dann?

Unsere ganze subjektive Freiheit hängt am Geld der Leute, die uns in der Regel 18, 19, 20 Jahre unseres Lebens tierisch auf die Nerven gegangen sind, uns mit ihren völlig unverständlichen Regeln tyrannisiert haben und ständig absure Erwartungen erfüllt wissen wollten. Beide Seiten lassen los. Und doch verbindet uns die studentische Nabelschnur mit ihnen, durch die Monat für Monat 500 € fließen.

Auf die Eltern!

Donnerstag, 29. August 2013

Von Kisten und Betten, Tischen und Schränken

Oder - Warten auf das Mobiliar.

Am Samstag bin ich umgezogen. Das Prozedere, sein Leben in Kisten zu packen, durch die Gegend zu fahren und an einem anderen Ort wieder auszupacken, ist nicht mehr neu. Dadurch, dass ich im Bachelor für zwei Semester im Ausland war und während des Auslandsaufenthalts auch noch einmal umgezogen bin, bin ich inzwischen ein alter Umzugshase. 

Zum ersten Mal seit dem Beginn meines Studiums vor drei Jahren wohne ich in einem unmöblierten Zimmer. Ich fand es nie schlimm, mit den ausgewohnten Möbeln anderer Leute vorlieb nehmen zu müssen, aber jetzt genieße ich es umso mehr, mir mein komplettes Mobiliar aussuchen und zusammenstellen zu können. Vor einigen Wochen schon habe ich mir bei einem Möbelgeschäft in meiner Heimatstadt ein Bett und einen Kleiderschrank ausgesucht und diese dann in die Filiale des gleichen Geschäfts in die Uni-Stadt bestellt. Einen Schreibtisch, eine Matratze und - für mich unverzichtbar - Bücherregale habe ich dann mit meinen Eltern bei einem örtlichen Möbelgeschäft gekauft und erfolgreich hier aufgebaut.

Nun wohne ich allerdings noch etwas provisorisch, denn die Spedition, die Bett und Schrank bringen soll, liefert nur mittwochs und donnerstags. Am Dienstag hatte ich eine Mitarbeiterin dort an der Strippe, die die Lieferung für Donnerstag zwischen 16 und 19 Uhr ankündigte - eine sehr studentenfreundliche Uhrzeit! (Ich oute mich an dieser Stelle als Langschläferin, die nur äußerst ungern mit den Hühnern aufsteht.)

Seit einer Stunde sitze ich also wie auf heißen Kohlen an meinem neuen Schreibtisch und warte darauf, dass die Lieferung ihren Weg in meine Wohnung findet. Normalerweise säße ich jetzt wahrscheinlich auch hier, würde an meiner leider noch immer nicht fertigen Bachelorarbeit sitzen, Musik hören oder die Nachmittagssonne auf dem Balkon genießen. Aber einfach die Tatsache, dass in den nächsten zwei Stunden - hoffentlich - jemand hier aufschlägt und mich von der Matratzenschlaferei erlöst, macht mich ganz hibbelig. Ich kann mich nicht richtig auf andere Dinge konzentrieren, aus lauter Panik, ich könnte die Türklingel überhören. Das Fenster und die Balkontür sind zu, um dem Straßenlärm zu entgehen, und doch schaue ich alle paar Minuten nach draußen in der Hoffnung, ein Fahrzeug zu sehen, das nach Möbeln aussieht.

Alles nicht so schlimm und sicherlich ein Luxusproblem, aber Frollein Ungeduldig war noch nie die beste Warterin. Däumchen drehen, Tee trinken (nicht zu viel, denn Murphys Gesetz zufolge klingelt die Spedition, wenn ich gerade im Bad bin) und bloggen.

Auf die Geduld!

Nachtrag, 17:40: "Wir kommen ein bisschen später und sind so zwischen 19 und 20 Uhr bei Ihnen."

Noch so'n Blog?

Was soll denn das?

Das hier ist nicht mein erster Blog. Ich bin Wiederholungstäterin. Meinen ersten Blog habe ich vor ungefähr sieben Jahren bei myblog angelegt, wo ich dann fleißig für einige Jahre gebloggt habe. Dieses Teenager-Tagebuch war mir dann so peinlich, dass ich den gesamten Blog gelöscht habe und einen zweiten Blog gestartet habe. Der zweite wurde dann von einem dritten abgelöst, und der dritte von einem englischsprachigen.

Seit einiger Zeit scheinen Berufsblogs hip zu sein, in denen unter anderem ein Kinderarzt, eine Lehrerin, ein Taxifahrer, eine Kassiererin oder eine Handyverkäuferin mal anonym, mal unter ihrem echten Namen über den alltäglichen Wahnsinn im Job bloggen. Ich lese gerne Blogs zu verschiedenen Themen, aber gerade diese Alltagsblogs faszinieren mich am meisten. Menschen erzählen Geschichten und Anekdoten aus ihrem Leben, ohne sich groß darum zu kümmern, ein Millionenpublikum zu begeistern, und doch sind es genau diese Blogs, die die Leser anziehen wie Kuchen die Wespen.

Bin ich nur eine Trittbrettfahrerin, die hofft, mit ihrem Blog eine kleine Internetberühmtheit zu werden, deren Besucherzähler schneller läuft, als sie gucken kann? Nein, ich möchte auch aus meinem Leben erzählen und meine Beobachtungen und Begegnungen mit anderen Menschen teilen.

Num komm' mal zu Potte, Mädel!

Ich bin Anfang 20 und habe keinen Beruf, der so aufregend wäre, dass ich täglich einen Blog mit spannenden Geschichten füttern könnte. Eigentlich habe ich gar keinen Beruf - ich bin Studentin. Gerade bin ich umgezogen, um meinen Master in Linguistik zu machen. Eine neue Stadt ist, auch wenn das abgedroschen klingt, immer auch ein neuer Anfang. Und ein neuer Anfang ist aufregend, für mich jedenfalls. Ich bin gespannt, wer oder was mich im Masterstudium erwartet, und ich bin bereit, das mit euch, liebe Leser zu teilen.

Auf das Bloggen!